Revolution im Korsett mit Die Vorkämpferinnen von Bianca Walther
Shownotes
Ja, das ist eines der besten Bücher 2026 (). Die Vorkämpferinnen () ist ein Buch, auf das ich schon lange gewartet habe. Umso glücklicher bin ich, dass Bianca Walther zu mir in den Podcast gekommen ist. Weil das Buch so großartig ist, kannst du auch ein Exemplar von "Die Vorkämpferinnen" (*) gewinnen. Hör die Folge ganz zu Ende, merke dir das geheime Passwort und schreibe es an dieleserinnenpodcast@gmail.com. Das Gewinnspiel endet am 15.9.2026 um 0 Uhr - bis dahin muss deine Mail da sein. Ich wünsch dir Glück!
Bianca Walther hat selbst einen Podcast - und du solltest ihn unbedingt hören. Er heißt "Frauen von damals" und du findest ihn hier.
Mehr zu Bianca findest du auf ihrer Homepage.
Folg ihr aber auch unbedingt auf Instagram, wo sie regelmäßig schlaue und interessante Dinge teilt.
Ich habe in der Folge außerdem versprochen, dass ich die Folge zu Ulli Lusts Sachcomic "Die Frau als Mensch" (*) teile. Hier findest du sie.
Die Leserinnen ist der Buch Podcast über feministische Bücher. Für alle, die gerne lesen und lesen lassen. Es geht sowohl um Sachbücher und als auch Romane - feministische Literatur und Werke, die einen Impact auf die Gleichberechtigung haben können.
Du findest uns übrigens auf unserer Website und auf Instagram - schreib doch mal!
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Transkript anzeigen
00:00:00: Ich möchte mich jetzt schon mal festlegen, auch wenn es ein bisschen gewagt ist.
00:00:03: Aber dieses Buch gehört zu meinen Top-Drei der Sachbücher, die Vorkämpferinnen von Bianca Walter wie aus vielen Frauen eine Bewegung wurde.
00:00:15: Auf dieses Buch habe ich tatsächlich schon lange gewartet!
00:00:19: Es ist so easy to read und dabei so dicht mit spannenden Informationen dass ich glaube du solltest auch eins haben.
00:00:27: Ich verlose ein Exemplar von Bianca Walters Buch, die Vorkämpferinnen.
00:00:33: alles was du tun
00:00:34: musst
00:00:34: erfährst du am Ende dieser Podcast-Folge und vielleicht auch ein bisschen in den Show Notes.
00:00:41: das geheime Passwort findest Du aber auf jeden Fall am Ende der Podcast Folge.
00:00:47: Wenn dir dieser Podcast gefällt dann würde ich mich wahnsinnig freuen wenn du ihm eine gute Bewertung gibst ein paar Sterne oder einen Kommentar, was man sonst auf der Plattform deiner Wahl so machen kann.
00:01:01: Und wenn er dir noch besser gefällt, dann leite ihn doch auch weiter an Menschen die diesen Podcast unbedingt hören sollten!
00:01:22: Hörst du übrigens auch am Ende dieser Folge?
00:01:26: Jetzt aber erst einmal viel Spaß beim hören des Gesprächs mit der Autorin Bianca Walter.
00:02:04: Hallo, danke dass ich da sein darf!
00:02:07: Du bist da, weil du natürlich auch ein Buch geschrieben hast.
00:02:09: Denn schließlich ist das hier ein feministischer Bücher-Podcast und ich fand dein Buch so großartig!
00:02:16: Ich wollte mit dir unbedingt drüber sprechen eigentlich auch schon bevor ich es gelesen habe.
00:02:21: Weil du genau das zusammengefasst hast, worauf ich schon so lange gewartet habe... Das ist das Buch auf das ich lange gewartet habe, Bianca.
00:02:30: Ein Buch über die feministische Bewegung, über die Anfänge Verwirrungen und Entwicklungen, die es da gab.
00:02:40: Weil ich immer bei den anderen Büchern das Gefühl hatte, sie versuchen zu viel.
00:02:45: Die versuchten dann noch Großbritannien und die USA mit reinzuwurschteln.
00:02:50: Und mir hat wirklich mal gefehlt so dieser Blick auf die Riesinnen, auf deren Schultern wir stehen.
00:02:56: Schön!
00:02:56: Das freut mich riesig zu hören.
00:02:59: Wie lange hast du an dem Buch geschrieben?
00:03:01: Denn ist es unglaublich dicht und komplex?
00:03:03: Ja also es ist... Ich sag mal Geschrieben an sich, also sagen wir von der Vertragsunterzeichnung bis zur Abgabe vergingen.
00:03:16: Lass mich nicht lügen, neun Monate und dann insgesamt ein Jahr bis zur Veröffentlichung.
00:03:24: das hätte aber natürlich nie funktioniert wenn ich mich mit dem Thema nicht vorher schon knapp zehn Jahre befasst hätte.
00:03:32: Denn hier direkt der Werbeblog, du hast einen ganz wunderbaren fantastischen Podcast.
00:03:36: Der heißt Frauen von damals und ich empfehle auch unbedingt am Instagram-Kanal zu folgen wo du noch mal all diese tollen spannenden Informationen in den Häppchen aufbereitest was ja immer ganz snackable und interessant ist finde ich.
00:03:49: aber Du hast ja auch schon dich in deinem Studium damit beschäftigt.
00:03:54: Du hast Geschichte studiert dich vor allem mit der Geschichte der deutschen Frauenbewegung im Kaiserreich und der Weimarer Republik beschäftigt.
00:04:03: Und in jeder Folge deines Podcasts schaust du dir auch noch mal spannende Frauen an, Ereignisse Themen und Geschichten.
00:04:11: Insofern ist es voll mit spannenden Informationen alles, und du musstest das dann eigentlich nur noch in den Buch gießen?
00:04:17: Nur noch sagt sich immer so leicht!
00:04:19: Das hatte ich auch gedacht als ich das Exposé dann geschrieben hatte.
00:04:22: So muss ich jetzt dann eigentlich nun noch unterschreiben.
00:04:25: So trivial ist es dann meistens doch nicht.
00:04:29: also zwischendrin habe Einmal arg, gehangen bei einem Kapitel mit dem ich mich sehr schwer getan hatte.
00:04:35: Wo ich aber auch dank meiner fantastischen Lektorin Johanna Klahn sehr zufrieden bin am Ende mit dem Ergebnis.
00:04:43: Aber nee tatsächlich ist es so!
00:04:44: Also das Exposé zu schreiben hat ungefähr zwei Tage gedauert.
00:04:51: Davon war ein anderthalb-tagesprachliches Feilen.
00:04:54: Also so was ich machen wollte, war mir tatsächlich klar.
00:04:58: also das hatte sich einfach daraus ergeben dass ich mich so nach und nach während des Studiums und dann auch über den Podcast an das Thema von so vielen Seiten oder so vielen Biografien rangerobbt hatte dass ich... Dass das Bild ziemlich klar mir eigentlich vor Augen war Und mir war auch klar.
00:05:19: Deswegen freue ich mich darüber, dass du sagtest das der Fokus so eng war.
00:05:24: Mir war klar, ich möchte nur über die deutsche Frauenbewegung schreiben weil man natürlich einerseits von der anderen Seite dann wieder sagen könnte ja wo ist hier die internationale Dimension habe ich versucht ein bisschen reinzubringen mit der internationalen Vernetzung.
00:05:39: aber ich wollte es tatsächlich darauf konzentrieren und nicht immer dass wir nicht immer so direkt in den Vergleich gehen, weil es man schnell dazu neigt, sagen wir die US-Frauenbewegung.
00:05:56: Die britische Frauenbewegungen waren aus unterschiedlichen Gründen wirklich sehr unterschiedliche Gründe in vielen Belangen etwas schneller und dann neigt man mal so schnell zum vergleichen und das wollte ich vermeiden.
00:06:11: deswegen, dass ich möchte jetzt gerne den Fokus wirklich darauf behalten Was ist hier passiert in Deutschland, in der deutschen Frauenbewegung?
00:06:20: Die natürlich aber ganz klar internationale Einflüsse hatte die ja auch zur Sprache kommen.
00:06:25: Und tolle Verbindungen.
00:06:26: Also ich dachte beim Lesen die ganze Zeit so, wow!
00:06:30: Wir haben die Frauen das geschafft all das zu bewegen und diese Energie da reinzusetzen in die Dinge, die sie da gemacht haben und dann noch zur internationalen Kongressen zu fahren und da total gern gesehen zu sein ganz wichtig auch zu sein.
00:06:45: Da gab es ganz wichtige Akteurinnen, die auch Posten über Posten bekommen haben.
00:06:51: Das fand ich unglaublich spannend.
00:06:53: Jetzt kommt einem alles so vielschichtig und soviel vor, und es gibt so unglaublich viele Organisationen die sich an unterschiedlichen Orten treffen und staatliche und private und man weiß gar nicht wo man anfangen soll.
00:07:08: aber am Anfang der Frauenbewegung gab's ja ein paar ganz klare wichtige Forderungen Hat es das für die Frauenbewegung einfacher gemacht, dass sie zum Beispiel ganz klar gesagt haben wir sind für Bildung von Frauen und Mädchen.
00:07:22: Und wir sind fürs soziale Gerechtigkeit für Arbeiterinnen.
00:07:26: Das waren so die zwei Hauptthesen.
00:07:29: Ja.
00:07:29: Darauf konnte man sich ja erstmal verständigen und einigen selbst wenn das wiederum dazu geführt hat, dass nicht alle miteinander konnten?
00:07:39: Also das war eigentlich schon immer so denke ich.
00:07:42: Was ich auch gern voraustigen würde, das war schon immer so.
00:07:45: Dass Frauen dachten... Mensch vor ein paar Jahren war es vielleicht noch ein bisschen einfacher sich zu organisieren was aber und das würde ich sagen also Auch etwas Gutes hat denn Es zeigt ja dass die Bewegung sich ausdifferenziert hat Das wir mehr erreicht haben mit unseren Forderungen jetzt weitergehen können Und dass wir auch einfach mehr sind Die Aktivismus machen können.
00:08:07: Denn losgegangen ist das Ja in zunächst in bildungsbürgerlichen Kreisen mit der Frauenbewegung.
00:08:14: Also da war zum einen bei den Lehrern, was so der einzige Beruf so ziemlich war, den Frauen ergreifen konnten und von dem sie tatsächlich auch leben konnten außer Sie waren jetzt Schriftstellerin oder so.
00:08:26: aber selbst eine Fabrikarbeiterin konnte von ihrem Arbeitslohn nicht selbstständig leben weil sie so schlecht bezahlt wurde.
00:08:35: das heißt Die angefangen haben mit Frauen bewegte Arbeit, der war begrenzt.
00:08:42: Das waren einerseits die Frauen, die berufstätig sein konnten und andererseits Frauen, sie sich von ihrem materiellen Hintergrund her leisten konnten.
00:08:53: Frauen, wie geerbt haben manchmal auch verheiratete Frauen wo die Kinder groß waren und die sich dann versucht anderweitig zu engagieren verwittwürde Frauen also.
00:09:05: Der Kreis war begrenzt und die Themen waren allein dadurch begrenzt, dass die Baustellen einfach so groß waren.
00:09:12: Also Bildung für Frauen – das war ja ein riesen Thema.
00:09:22: Bildung von Frauen war ein Riesenthema weil die Frauen von Null kamen.
00:09:30: Es musste für Schulbildung gekämpft werden, für berufliche Ausbildung, für Universitätszulassung wo dann auch priorisiert wurde.
00:09:40: Dann lasst uns die Frauen zuerst mal zum Medizinstudium vielleicht zulassen oder dafür kämpfen, weil es da wirklich ... Da ging's dann auch um Frauengesundheit.
00:09:52: Also Frauen-Gesundheit war, würde ich sagen, noch das dritte große Thema, weil die Müttersterblichkeit groß war.
00:09:58: Weil gerade in Sachen gynecologische Beschwerden oder Frauengesundheit überhaupt so viel im Agen lag.
00:10:06: Stichwort Gendermedizin?
00:10:08: gehen wir ja heute noch.
00:10:09: Und viele Frauen auch einfach gerade mit gynäkologischen Beschwerden nicht zu männlichen Ärzten gingen, weil das sehr scham behaftet war.
00:10:21: Das waren die ersten Themen der Frauenbewegung und das differenzierte sich dann natürlich immer weiter aus, je mehr Frauen dazu kamen – Entschuldige!
00:10:39: immer weiter aus, je mehr Frauen dazu kamen als dann auch die proletarische Frauenbewegung kam.
00:10:46: Einige also relativ wenige Jahre nach der bürgerlichen Frauenbewebung, die dann aber natürlich von einem anderen Ansatz kam.
00:10:53: Also da gab es ja auch Interessensgegensätze zwischen den bürgernischen Frauen, die er letztlich auch Nutznieserin des Kapitalismus waren und Arbeiterinnen, die eher klassenkämpferisch drauf waren.
00:11:08: Ja, und da ist es ja auch ein bisschen so wie in der Frauenbewegung in den USA.
00:11:13: Wenn man dann eine Parallele zieht einmal die wohl situierten bürgerlichen Kämpferinnen und dann die zum Beispiel die Women of Color, die sagen wir können unseren Kampf nicht losgelöst von Rassismus führen.
00:11:25: das war ja bei der Klassenfrage ähnlich.
00:11:27: Wir können hier diesen Kampf nicht loss gelöst von der Klassenfrage führen und damit nicht komplett ohne unsere Männer.
00:11:34: Das ist schon sehr spannend und die waren sehr lange, sehr unvereinbar.
00:11:38: Aber ich fand vor allem interessant wie du dieses ganz besondere Momentum beschreibst das da in der Geschichte entstanden ist dass Frauen überhaupt sich selber versorgen sollten.
00:11:48: also sie sollten ja Berufe haben weil es zu viele Frauen gab oder anders?
00:11:53: Zu wenig Ehemänner!
00:11:55: Ja ja
00:11:55: das war ein Bürgertum.
00:11:57: das fand ich ganz ganz bezeichnend.
00:12:01: Klar, bei der Arbeiterin war es wiederum anders.
00:12:03: Da wäre vielleicht für viele sehr schön gewesen sie hätten nicht noch Erwerbsarbeit machen müssen weil Sie einfach zwei Schichten zu einem Lohn von Nonnich mal einer machten.
00:12:15: also sie mussten Lohnarbeiten gehen damit die Familie über Wasser gehalten werden konnte und gleichzeitig hatten sie aber hundert Prozent der Haus- und Sorgearbeit.
00:12:25: Und bei den bürgerlichen Frauen war's dann aber so genau wie du beschreibst.
00:12:30: Es waren ein Anführungszeichen zu viele Frauen, weil das Land gerade in den Achtzehnhunderts, ja Sechzigern und Siebzigern sehr viele Kriege geführt hatte.
00:12:42: Das war Eingrund!
00:12:44: Und selbst die Frauen, die hätten heiraten wollen, denen fehlten zum Teil schlichte Männer im heiratsfähigen Alter, so genannten.
00:12:53: Andere Frauen wiederum hatten keine Lust zu heiraten wollten einfach ihr Leben alleine oder mit einer anderen Frau gestalten.
00:13:03: Und ja, und als das Bürgertum das Gut situierte dann plötzlich merkte wir haben hier sehr viele unverheiratete Frauen die wir wenn sie keine Berufe haben als Familien selber mit durchfüttern können.
00:13:18: Da wichtern in Teilen der Widerstand gegen weibliche Berufstätigkeit und Berufsausbildung.
00:13:24: Aber tatsächlich, bei den meisten wirklich nur so weit bis halt diese überzähligen Fräuleins in Anführungszeichen versorgt waren aber nicht so weit dass die Frauen im Beruf den Männern hätten ernsthaft Konkurrenz machen können.
00:13:40: also da war noch nichts zu dieser Zeit mit Zulassung von Frauen zum Studium Also berufliche Ausbildungen, Lehrerinnen-Seminar in Ordnung.
00:13:50: Aber bis sich die Universitäten oder die Kunstakademie – und auch ein großes Thema Frauen in der Kunst – bis sich das alles den Frauen öffnete?
00:13:58: Das war ein Extremzehrkampf.
00:14:00: dann nochmal!
00:14:02: Ich fand vor allem so spannend dabei dass Ja, diese Frauen A dann so befreit waren.
00:14:09: Also viel mehr Zeit hatten eigene Gedanken zu entwickeln.
00:14:12: die hatten nicht eben die Sorge und Kehrarbeit Die konnten ihre Leben ganz anders gestalten Und dazu kam auch das dann natürlich.
00:14:20: die Bedürfnisse höher waren also die durften ja dann an Mädchenschulen unterrichten.
00:14:25: und hier mal ein kurzer Hinweis.
00:14:27: also wer gegen Feminismus ist großartiges Argument.
00:14:31: bist du gerne zur Schule gegangen?
00:14:35: magst du Feminismus?
00:14:36: Weil da wo wir herkommen, dass es vorher gab.
00:14:39: Wenn man den Genuss von Bildung haben durfte als bürgerliches Mädchen dann bedeutete das, dass man bis zur Konfirmation zur Schule gehen durfte und da hat man auch nur das gelernt was man so ungefähr braucht damit der Mann nicht völlig gelangweilt ist wenn er sich mit einem über irgendwas unterhalten möchte und alles weitere.
00:14:59: also das haben ja auch Eltern gesehen.
00:15:02: Es gab ja, gibt in deinem Buch auch Eltern die ihre Kinder, ihre Mädchen gefördert haben und gesagt haben, gut dann machen wir Konfirmation ein Jahr später.
00:15:10: Ich fand die Stelle großartig!
00:15:12: Das fand ich auch klasse.
00:15:13: das waren die Eltern von Luise Orthopeters Ja aber tatsächlich die Eltern haben Die waren manchmal auch so im Bürgertum besser als ihr Ruf heute noch.
00:15:26: Und die haben ja gesehen, was ihre Mädchen draufhaben, dass sie nicht dumm sind und dass die nicht nur T-Tassen sortieren können.
00:15:32: Und haben dann schon versucht, diese ein bisschen weiterzuschieben auf so einen Lehrerinnenseminar oder auf eine private Schule wo sie noch etwas lernen können... ...und die Voraussetzung!
00:15:43: wenn dann die Türen geöffnet waren, dass man vielleicht Gast sitzen durfte irgendwo oder vielleicht sogar studieren durfte.
00:15:51: Viele der Frauen, die du beschreibst sind ja auch ins Ausland gegangen um zu studieren in die Schweiz zum Beispiel.
00:15:57: aber wenn man das dann schon mal durfte, dann musste man sich die Bildung, die man dafür überhaupt brauchte selber kaufen.
00:16:05: Also man musste selber auf eine private Schule gehen, um vorbereitet zu werden und überhaupt den Bildungsstand zu haben, den man brauchte für eine höhere Bildung.
00:16:14: Und das ist alles schon so unglaublich absurd!
00:16:17: Ich meine da gab es ja auch Revolutionärinnen, die gesagt haben, es können doch auch Jungs und Mädchen auf eine Schule gehen?
00:16:22: Ja, eben!
00:16:24: Das war ein Gotteswillen-Untergang des Abendlandes.
00:16:29: Es hat tatsächlich mal Versuche gegeben private Gymnasien zu eröffnen für Jungen und Mädchen.
00:16:38: Das hat sich aber relativ, das hat sich nicht langfristig getragen aus unterschiedlichen Gründen.
00:16:45: es waren auch immer also Und auch dass mit Feminismus zu tun.
00:16:49: Also diese Frauen die sich das nicht leisten konnten diese Bildung Für einige von denen gab's halt je nach Kapazität dann auch die Möglichkeit so etwas über Schulen und über Kurse oder die Bildung, über Schulen- und Kurse zu erwerben.
00:17:06: Die natürlich auch nicht kostenfrei angeboten werden konnten aber von Vereinen getragen wurden.
00:17:13: also da haben sich zum Beispiel so ab den Achtzehnhundert neunziger Jahren in Berlin ein Verein zusammen getan der unter der Leitung dann von der großen Bildungsaktivistin Helene Lange Mädchengymnasialkurse eingerichtet hat.
00:17:31: Die haben gesagt, wir haben keine richtigen großen privaten Schulen.
00:17:35: Keine Mädchengymnasien.
00:17:37: Wir machen jetzt einfach ... Wir schauen was geht?
00:17:42: Wir machen private Kurse mit Lehrpersonen die natürlich dann auch wiederum gegen Entgelt.
00:17:49: das also Mädchen und junge Frauen nachmittags unterrichten dass sie sich ... Das ging irgendwann sogar in Preußen als Externe anmelden, also als Nichtschülerinnen zum Abituranmelden und dann dort die gleichen Prüfungen wie die Jungs ablegen dürfen.
00:18:07: Aber wie sie halt die Bildung bekam das war deren Sache.
00:18:09: da fühlte der Staat sich nicht für verantwortlich und dafür haben die Frauen eben gekämpft dass das möglich wurde.
00:18:17: Leiner Exkurs den ich total spannend fand.
00:18:21: Ich habe noch einen zweiten Podcast, da geht es um Kochbücher und ich hadere ja immer so ein bisschen Kochen.
00:18:26: Und Frauen und so das hat schon immer so'n Geschmäckle.
00:18:28: also ich bin kein heimliches Thread-Wife aber ich hab ein Buch gelesen über die Geschichte des bayerischen Kochbuches und ist eine ganz wunderbare geschichtliche Aufarbeitung weil dieses Buch gibt's eben auch seit der ersten Frauenbewegung und auch da ging's um Bildung für Frauen und zwar ist das praktisch direkt Rezept.
00:18:48: sammlung hatten, also die Lehrerinnen, die auf dem Lande den Frauen Hauswirtschaften beigebracht haben.
00:18:58: Damit wurde praktisch Existenzsicherung auf zwei Seiten hergestellt.
00:19:02: Einmal gab es einen Lehrberuf, den die bürgerlichen Frauen ergreifen konnten.
00:19:08: Also sie konnten diese Hauswirtschaft unterrichten und umgekehrt haben Sie den jungen Frauen auf dem Land wiederum eine zusätzliche Einnahmequelle verschafft indem sie praktisch ihnen hauswirtschaftliche Bildung beigebracht haben wo sie in Anstellung gehen konnten damit.
00:19:23: Und
00:19:24: da dachte ich so wow!
00:19:25: Man denkt es ist einfach nur ein bürcherliches Kochbuch Der Emanzipation, entspannend oder?
00:19:34: Das
00:19:35: finde ich auch.
00:19:36: und gerade solche Bereiche Hauswirtschafts.
00:19:39: Und später dann auch soziale Arbeit und Pädagogik das sind natürlich die traditionell weiblich konnotierten Berufe aber das waren eben auch die Berufer wo Frauen ihre Nische sahen.
00:19:52: also sie wurden ja nun mal sagen wir in die klassischen Mintfächer Mathe Naturwissenschaft etc.
00:19:58: da wurden Sie ja nun wirklich erbittert von Ferngerhalten, von Männern.
00:20:06: Und die Frauen, wie gesagt haben wir brauchen eine wirtschaftliche Unabhängigkeit.
00:20:10: Wir brauchen einen Beruf, die mussten ja irgendwas ergreifen oder sagen irgendetwas suchen wo sie einen Fuß in die Tür bekommen.
00:20:16: und das haben sie extrem erfolgreich gemacht auch im Bereich der Krankenpflege zum Beispiel.
00:20:21: Das ist glaube ich oft also es war mir auch nicht bekannt bevor ich das gelesen hatte in den Quellen einer oder einiger dieser Pionierenden im Bereich Krankenpflege, dass der Beruf der Krankenpflegerin von Frauen auch erst erkämpft werden musste.
00:20:38: Weil das als Anstößigkeit ... Die hatten ja schließlich mit nackigen Männern zu tun und deswegen war es... Ja, ja!
00:20:44: Und deswegen waren es zuerst eben nur Diakonissen oder Nonnen.
00:20:49: Die Konz weichten?
00:20:51: Ja, genau da ist es.
00:20:52: Das ist safe.
00:20:53: Aber die weltliche Krankenpflegung, das war auch ein Beruf den Frauen sich wirklich hart erkämpft haben.
00:21:00: Und das sind dann gleichzeitig auch Berufe, die Frauen geprägt und nach vorne gebracht haben.
00:21:07: Krankenpflege, soziale Arbeit... wo auch immer sie entstand.
00:21:14: Deutschland, USA, Großbritannien ganz maßgeblich von Frauen der Frauenbewegung und hier in Deutschland auch sehr maßgeblich von frauen der jüdischen Fraunbewegungen aufgebaut um professionellisiert und einerseits als Erwerbsmöglichkeit für Frauen entwickelt und eben andererseits auch als gesellschaftlich wirkmächtige Kraft.
00:21:35: also genau wie du eben sagtest mit den Kochbüchern Emanzipationen von zwei Seiten Einerseits eine wirtschaftliche Möglichkeit für die Frauen, die an Einkommen brauchten.
00:21:51: Aber es wurde eben auch etwas getan für die Menschen, die diese Leistungen dann in Anspruch haben.
00:21:59: Das ist doch interessant!
00:22:00: Also eigentlich müsste man sagen das muss in jedem Geschichtsbuch stehen über die Geschichte Deutschlands wie hat sich unser Land entwickelt?
00:22:10: Nicht nur was für Erfindungen es gab und wer wann irgendjemand mit dem ersten Automobil von wo nach wo gefahren ist.
00:22:17: Ah nein, warte das war auch eine Frau.
00:22:21: Also schreiben wir's nicht in die Geschichtsbücher rein!
00:22:23: Nein, das war so ne Ausnahme aber das müsste doch eigentlich einen großen Platz in den Geschichts büchern haben.
00:22:30: ich meine Es ist ein immanenter Kern doch von Gesellschaft auch dass diese Entwicklungen passieren.
00:22:38: Ich kann mich nicht daran erinnern.
00:22:40: Also ich weiß, ich habe über die Kriege gelernt und ja dann gab es nicht so viele junge Männer aber dass sich daraus wieder gesellschaftliche Möglichkeiten entwickelt haben das sich da der Feminismus überhaupt erst entwickeln konnte eben weil dieses Vakuum kurz da war davon hab ich vorher noch nie in der Form gelesen und ich fand es unglaublich bereichernd.
00:23:03: Ich habe es schon oft im Podcast gesagt und ich glaube, ich wiederhole mich.
00:23:07: Aber ich hab immer das Gefühl um zu verstehen woher wir kommen bräuchten wir eigentlich noch mal eine komplette Geschichtsschreibung.
00:23:14: Wir müssen nochmal ganz vorne anfangen zum Beispiel wie in Buch von Uli Lust Ganz vorne bei den Steinzeitmenschen Und wir müssen uns alles nochmal neu anschauen durch einen feministischen Blick die Geschichte und die Ereignisse nochmal sehen.
00:23:28: Was kann nicht sein dass das was in deinem Buch alles steht dass man das als Special Interest praktisch in einem Spezialbuch nachlesen muss.
00:23:36: Das ist doch absurd!
00:23:38: Ja, also ich finde es vor allen Dingen absurd weil... Ich habe kürzlich mir ein Buch gekauft über die Geschichte der Weimarer Republik.
00:23:50: Das heißt auch noch DIE Geschichte derWeimarerRepublik glaube ich irgendwie.
00:23:53: Der genaue Titel ist mir entfallen und steht da hinten im Regal des von Heinrich August Winkler Aber es ist tatsächlich dieser bestimmte Artikel drin, also das ist die Geschichte der Weimarer Republik.
00:24:05: Ich hab mir dieses Buch gekauft weil ich das auch... Also ich wollte's nicht von Cover to Cover lesen, das sind siebenhundert eng bedruckte Seiten.
00:24:13: aber um mal Dinge nachschlagen zu können Das erste was ich nachgeschlagen habe war Interesse halber des Personenverzeichnis Weil ich mir dachte naja Die Geschichte der weimarer republik da steht bestimmt auch Dringert Rudbäumer und Ach, verdammt.
00:24:29: Marie-Elisabeth Lüders die ganzen Großen oder Alice Salomonen also die Frauen, die wirklich Gesellschaft geprägt haben.
00:24:36: und ja es stehen im Personenverzeichnis fünf Frauen drin Clara Zettkin und Rosa Luxemburg allerdings eher geframed als so böse Kommunistinnen.
00:24:49: Ja und die eine ist auch ermordet worden.
00:24:51: ich meine hey
00:24:52: Dann ja deswegen wurde auch also die kommen nur am Rande vor weil das war ja dann Ja, aber jedenfalls.
00:25:01: Also Clara Zetkin, Rosa Luxemburg, Kate Collwitz natürlich die darf nicht fehlen, aber eigentlich eher auch im Rahmen einer Aufzählung und noch zwei weitere Frauen der Namen mir jetzt kurz entfallen sind.
00:25:10: Aber ich finde das so bezeichnet es ist die Geschichte der Weimarer Republik.
00:25:15: siebenhundert Seiten wirklich so.
00:25:17: Text also Text Wände den man gegenübersteht wenn man die Seite Aufsteckt also wirklich eng bedruckt und fünf Frauen kommen drin vor.
00:25:26: Und bei mir im Buch, was jetzt quasi eigentlich sich doch als Frauengeschichte, Frauenbewegungsgeschichte deklariert spezifisch, kommt erheblich um ein Vielfaches mehr Männer vor, als bei ihm Frauen vorkommen?
00:25:40: Das möchte ich aber auch betonen.
00:25:41: Also von wegen wir sind Männerhasser Im Gegenteil die gehören ja dazu
00:25:47: Ja!
00:25:47: Die sind ja Teil dieser Geschichte Aber wir sind offensichtlich kein Teil.
00:25:51: Also Frauen sind kein Teil der Weimarer Republik gewesen.
00:25:55: Die waren nur Statistinnen und haben gewunken von der Seite!
00:25:58: Genau, ich meine natürlich ist klar das in meinem Buch... Die meisten Männer im Kaiserreich haben sich nun mal leider nicht mit Rom bekleckert, da kann ich jetzt auch nichts für.
00:26:08: Das heißt das wird auch benannt aber es kommen jetzt nicht alle Männer furchtbar schlecht weg.
00:26:14: also wir hatten ja zum Beispiel auch einen August Bebel der Führer der Sozialdemokratie oder Führersachmann Partei-Vorsitzende der sozialdemokratischen Partei, der sich sehr für Frauen stark gemacht hat.
00:26:29: Auch ein Buch geschrieben hat über die Frau und den Sozialismus weil er natürlich Frauen auch als Rekrutierungspotenzial betrachtete aber tatsächlich also es gab Es gab ja auch die männlichen Allaisunterstützer wie weit sie darin auch immer gingen und das soll ja auch durchaus benannt werden.
00:26:46: Aber Ja und ich glaube was den geschichtsunterricht betrifft da haben wir einen Problem dass dieser traditionelle Blick auf Geschichte eigentlich immer die Geschichte der Staatlichkeit war, also wie hat sich der Staat entwickelt?
00:27:04: Wie wurde Deutschland zu Deutschland?
00:27:07: und es war sehr stark ereignisgeschichtlich.
00:27:09: Also welche großen Ereignisse haben unsere Geschicke bestimmt?
00:27:14: was dann sehr viel halt große Taten oder schlimme Taten großer oder schlimmer Männer weil Männer eben diese großen Fakten schaffen, weil die in den Machtpositionen sind.
00:27:24: Was wir aber im Geschichtsunterricht glaube ich immer noch zu wenig haben – also ich war im letzten Jahrtausend in der Schule, habe aber gehört das sich da leider grundlegend vielerorts noch gar nicht so viel getan hat ist dass die Lehrpläne also nicht reflektieren.
00:27:44: was haben diese großen Ereignisse für das Leben der Menschen bedeutet?
00:27:48: ist für die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts sicherlich anders.
00:27:54: Also gerade so Weimarer Republik, da geht es ein bisschen los... Da haben wir über Arbeiterbewegungen in der Schule zum Beispiel schon gehört, über Frauenbewegung allerdings nicht.
00:28:03: Dann natürlich Nazi-Zeit.
00:28:05: also da wird sicherlich auch die Geschichte der Menschen und nicht nur die Ereignisgeschichte aus staatlicher Sicht beschrieben.
00:28:16: Aber fürs neunzehnte Jahrhundert ist es wirklich, glaube ich tatsächlich immer noch sehr viel zahlen Datenfakten und immer noch durch die Männerbrille.
00:28:25: Und wenn der soziale Bewegung beschrieben wird dann ist es oft eben die Arbeiterbewegung was natürlich legitim ist.
00:28:31: aber Frauen sind die Hälfte der Bevölkerung.
00:28:35: Und dass auch die Demokratiebewegungen von finde ich auch bitter, weil gerade da so viele Ausschlüsse passiert sind.
00:28:47: Die nicht hätten passieren müssen und wenn die nicht passiert wären dann wären Frauen auch anders dran gewesen.
00:28:55: also dass die revolutionäre Frauen haben immer in der Revolution mitgekämpft waren immer mit auf den Barrikaden.
00:29:01: aber die Herren Kollegen kämpften eben nicht für die Belange der Frauen mit sondern haben im Gegenteil die Frauen eigentlich eher so auf die Positionen der Erfüllungsgehilfin reduziert.
00:29:14: Also die Frau, die dem Mann den Rücken frei hält das kommt alles.
00:29:18: also da wurden im neunzehnten Jahrhundert gerade Weichen gestellt Die uns heute immer noch auf die Füße fallen grad wenn es darum geht wie wird Sorgearbeit Kehrarbeit Familienarbeit wahrgenommen diese unbezahlte Arbeit die ja hauptsächlich auf den Schultern von Frauen lastet
00:29:36: Ja und dass dadurch dass sie Frauen in dieser Bewegung so aktiv waren teilweise ja befreit waren von diesen Sorgen, also entweder weil sie schon große Kinder hatten wie du gesagt hast.
00:29:48: Da seien auch diese sehr unterstützenden Ehemänner übrigens erwähnt, die du auch namentlich in deinem Buch aufhörst?
00:29:54: Ja!
00:29:54: Das ist zweimal Karl, einmal Edward, zweimal August... Ja, da gab es
00:30:00: sehr wohlwollende tolle Männer, die gesagt haben das unterstützen wir, aber befähigen da überhaupt mitzumachen oder weil wir selbst uns auch engagieren.
00:30:11: Also die gab es, ja?
00:30:12: Die haben das gesehen, die hatten schlaue Frauen und fanden's auch gut!
00:30:17: Aber wie ich vorhin schon gesagt habe, die waren natürlich...die hatten so viel Zeit und Energie, weil sie natürlich auch unverheiratet waren und keine Kinder hatten und teilweise sich auch gegenseitig sehr viel Kraft gegeben haben.
00:30:29: Dein Buch ist auch ein bisschen eine Quieregeschichte.
00:30:32: also Das wurde ja lange auch komplett ausgeblendet.
00:30:36: Da hab ich schon einige Bücher gelesen, Queerness unter Frauen gab's sehr lange gar nicht.
00:30:41: Also dass Frauen sich lieben das gab es ja gar nicht.
00:30:44: also mit den Männern da ist es immer sehr offensichtlich und ekelhaft gewesen und bei den Frauen war das einfach nicht existent.
00:30:50: die sind dann einfach Freundinnen und fahren gerne zusammen in Urlaub.
00:30:54: Ist doch billiger ne?
00:30:55: Wohngemeinschaft... Ja, das ist einerseits bewusst, dass ich das gemacht habe.
00:31:03: Weil ich selber lesbisch bin die queere Dimension ja auch im Podcast und auf Instagram immer sehr gerne beleuchte.
00:31:10: Und mir das einfach auch wichtig ist diese Geschichten zu erzählen.
00:31:14: Meine Masterarbeit war auch über diese Frauenpaare in der bürgerlichen Frauenbewegung.
00:31:22: Andererseits ergibt es sich aber einfach aus dem Stoff weil ... Dreißig Prozent des Führungspersonals hat die Soziologin Ulla Wischermann rausgefunden in der deutschen Frauenbewegung, lebten mit einer Frau zusammen.
00:31:34: Und das wurde in der historischen Frauenforschung um da jetzt kein falsches Bild entstehen zu lassen.
00:31:45: also da wurde das immer auch schon thematisiert wie?
00:31:48: Wie das jetzt im einzelnen formuliert wurde ob die Begriffe lesbisch oder queer benutzt wurden oder ob halt einfach Lebensgemeinschaften beschrieben wurden.
00:32:00: Also das wurde nicht unter den Tisch gefallen gelassen und ging auch nicht, denn zum Beispiel Lida Gustava-Heimann und Anita Augsburg haben ihre Memoan quasi zusammengeschrieben beziehungsweise Lida Gustawe Heimann hat sie geschrieben aber als Paar Autobiografie.
00:32:18: Und Helene Lange und Gertrud Bäumer da gibt es auch zwei ganz tolle Bücher.
00:32:24: eins von Margit Götter hat, was sich spezifisch mit der Art befasst wie die beiden Partnerschaft gelebt und auch politisch genutzt haben.
00:32:33: Und dann die große Paarbiografie von Angelika Schaser.
00:32:37: also da passiert sehr viel und da werden die Frauenpaare auch absolut sichtbar gemacht.
00:32:48: Aber in der allgemeinen Wahrnehmung ist es so, dass ich mich teilweise immer noch mit so Kommentaren rumschlagen muss wie ... Du hast ja gar keine Beweise dafür, dass das eine Liebesbeziehung war.
00:33:01: Was erstens noch nicht mal stimmt.
00:33:04: und also ich habe sehr vielfältige und vielschichtige Quellen genau zu dieser Frage auch original selbst aussagen.
00:33:14: Und dann lächeln sie ganz verschmitzt?
00:33:16: Ja,
00:33:16: ja!
00:33:18: Und und zweitens, wo ich mich dann frage was ist das für ein Liebesbegriff?
00:33:22: also nach was für einem Beweis suchst du denn den es bei Ehepaaren wie zum Beispiel Minna & Edward Cowher nicht auch gegeben hätte.
00:33:31: Also Minna&Edward Cowher, Minna Cowher auch eine der Größen der Frauen Stimmrechts Bewegung mit ihr fängt das Buch an.
00:33:41: die Sie und ihr Ehemann waren beide vorher schon mal verheiratet gewesen, aber die hatten keine gemeinsamen Kinder.
00:33:55: Die beiden sind genauso wenig den genital Beweis angetreten wie Frauenpaare.
00:34:03: wo ich dann manchmal denke ist es das wonach ihr sucht oder Die Verwendung des Wortes Liebe, weil das haben wir.
00:34:10: Also die Frauen haben übereinander gesagt, meine geliebte Freundin... also zum Beispiel eine schrieb das nachdem ihre Lebensgefährtin nach vierzig Jahren Lebensgemeinschaft verstorben war.
00:34:28: Die schrieb in einem Brief an einen alten Weggefährten Meine Geliebde Freundin Anna Paprez.
00:34:34: Also diese Worte waren da.
00:34:35: Gertrud Bäumer hat auch in ihren Memoaren im Bezug auf ihr Leben mit Helene Lange von Liebe gesprochen und das ist da, dann frage ich mich immer ja was sollen sie denn noch sagen?
00:34:50: Wenn Sie schon aktiv das Wort Liebe in den Mund nehmen oder zu Papier bringen, warum wird es nicht geglaubt?
00:35:02: Ja, die Frauen redeten damals so.
00:35:03: Die waren einfach blumiger und nein!
00:35:09: Außerdem Sexualität wie man die auslebt ist ja ein total weites Feld.
00:35:13: also wer braucht denn da irgendwie einen Bericht aus dem Schlafzimmer?
00:35:20: Das möchte man doch eigentlich bei heterosexuellen Paaren ausblenden Ab dem Moment, wo man weiß, dass es sowas gibt als Kind.
00:35:28: Denkt man so meine Eltern?
00:35:30: Nein!
00:35:30: Ja, meine Eltern
00:35:31: haben sowas
00:35:32: nie gemacht.
00:35:33: Ihr musstes das zweimal machen oh Gott
00:35:37: und selbst.
00:35:37: ich mein ja ne und Es ist ja nun mal auch so, dass eine Liebesbeziehung Es gibt nicht die eine Art und Weise, wie eine Liebesbeziehung zu leben ist.
00:35:51: Also selbst wenn ein Paar jetzt sagte, auch Sexualität muss nicht, dann ist das ja trotzdem möglicherweise eine sehr erfüllende Liebes-Beziehung für beide Teile.
00:36:03: also es kommt immer gerade darauf an was suche ich in einer Beziehung?
00:36:07: Und bei einem anderen Menschen?
00:36:12: Was gibt mir diese Beziehung und wie fühle ich mich auch als Mensch in dieser Beziehungen aufgehoben?
00:36:19: Aber wie binär wir da denken, oder?
00:36:22: Wir wollen irgendeinen Rhein raus.
00:36:24: Auf jeden Fall als Beweis mindestens ein Kind oder eben dann wenigstens Mann und Frau.
00:36:29: Da kann man sich was darunter vorstellen und alles andere... Kleiner Mini-Exkurs.
00:36:33: Mein Kind ist in der Altersstufe, wo man Sexualkundeunterricht hat in der Schule voll peinlich.
00:36:40: Mama, hoffentlich redest du nicht drüber!
00:36:41: Doch ich rede drüber weil... Ich habe der Biolehrerin natürlich einen E-Mail geschrieben und habe nachgefragt wie sie Sex definiert.
00:36:50: Weil wenn es nur Penetration ist was bedeutet das dann für alle anderen Menschen die nicht durch Penitration Sex haben?
00:37:00: Und ich gehe davon aus, dass sie nicht verstanden hat was.
00:37:03: Ich meinte weil Sie nicht so richtig darauf geantwortet haben auf den Punkt.
00:37:07: aber ich finde es ganz wichtig und da wären wir genau bei dem Punkt.
00:37:11: also wie definiere ich Sex?
00:37:13: Ich habe deine letzte Podcastfolge gerade eben erst noch gehört diese Woche und da gehst du so behutsam und liebevoll darauf ein und sagst die beiden waren ein paar.
00:37:26: Da wurde auch gemeinsam Weihnachten gefeiert mit der Familie und die sind zusammen in den Urlaub gefahren.
00:37:33: Man kann in den Briefen, die sie geschrieben haben nachlesen wie sich die Beziehung verändert hat in eine innere Art und Weise.
00:37:43: aber was die miteinander gemacht haben ist ja völlig irrelevant weil die waren sich sehr verbunden und alles andere ist privat.
00:37:54: Das ist dann männliche Geschichtsschreibung, oder?
00:37:57: Ja.
00:37:58: Ich denke auch, das ist tatsächlich ein wahrscheinlich ... ich würde mal sagen peniszentrierte Vorstellung von Sexualität.
00:38:07: Weil Männer sind ja dann wieder sehr binär gedacht und also tatsächlich eine bestimmte anatomischen Funktion hergedachten Vorstellung von Sexualität, glaube ich ist das verhaftet.
00:38:32: Das war auch das was ich versucht habe auszudrücken in dieser Podcastfolge.
00:38:37: es gibt ja also körperliche Erfüllung.
00:38:41: Es ist ein Continuum.
00:38:43: Das kann sehr vieles bedeuten über verschiedene Lebensphasen verschiedenes bedeuten und es ist auch wandelbar über die Zeit.
00:38:53: Es wurde anders gesprochen, dass dem Begriff Sex so wie wir das heute uns vorstellen.
00:38:58: Dieses Wort gab es damals noch nicht.
00:39:00: also es gab den Begriff Geschlechtsverkehr da ist ganz klar mann Frau Zeugungsakt oder auch nicht.
00:39:08: aber es gab nicht dieses diese weitere Vorstellungen in Sachen Wessen Lust kommt vor und wie kann das hervorgerufen oder gestillt werden?
00:39:33: Das alles ist ein Diskurs, der moderner ist als die Zeit über die ich hier rede.
00:39:40: Und das heißt natürlich überhaupt nicht dass es das alles nicht gegeben hat.
00:39:43: aber die Frage ist dann welchen Begriff wende ich dafür an?
00:39:49: Also, deswegen tue ich mich immer unheimlich schwer.
00:39:54: Wenn mir dann wie gesagt wird ja da gibt es keine Belege weil ich wirklich frage Ja wofür denn?
00:40:00: Und wenn ich dann andererseits aber auch wieder auffächere was alles die Möglichkeiten waren Da tu' ich mich manchmal dann auch wiederum schwer mit Weil ich denke ich möchte die Frauen ja nicht unbedingt sexualisieren.
00:40:10: also Ich will sie nicht endsexualisieren Aber ich will Ich will sie auch nicht, ich will auch nicht hier wie voyeuristisch den Fokus auf Sie legen.
00:40:19: Also das ist so ein bisschen eine Gratwanderung tatsächlich.
00:40:22: Ich finde es gelingt dir sehr gut!
00:40:24: Danke!
00:40:26: Was aber sich daraus ergibt, dass da Frauen waren die Blitzgescheit waren, die ein bisschen mehr Bildung hatten als andere... die sich für die gleichen Themen interessiert haben.
00:40:37: Und du hast es schon gesagt, dass sie das auch politisch genutzt haben?
00:40:40: Man könnte ja sagen da war einfach eine ganze Riege an krassen Power-Couples unterwegs und so wenn man das Buch liest entfaltet sich das auch ein bisschen.
00:40:49: Da waren ein paar echt krasse Power-couples unterwegs, die wirklich was bewegt haben und die wirklich immer geguckt haben wie weit können wir hier gehen?
00:40:59: Wie zum Beispiel Die einen fordern noch, dass überhaupt Mädchen ein bisschen länger Bildung kriegen.
00:41:05: Und die anderen sagen ja warum machen wir nicht gemischte Gymnasien einfach für Mädchen und Jungen?
00:41:10: Ich meine das war revolutionär!
00:41:13: Das war faktisch fast unmoralisch so was zu fordern.
00:41:16: Aber die haben immer wieder versucht, ein Schrittchen weiterzugehen.
00:41:21: Haben das auch in unterschiedlichen Regionen von Deutschland unterschiedlich vorangebracht?
00:41:25: Sie haben versucht da auch politische Bündnisse zu schließen und Unterstützende zu finden in unterschiedliche Positionen.
00:41:34: Also es ist so spannend, das zu lesen!
00:41:37: Und ich hätte nicht gedacht dass ich ein geschichtliches Buch über die Frauenbewegung... Das warte mal wenn mich den Anhang weglasse dann sind das Spannende, dreihundert Seiten ungefähr.
00:41:51: Und es ist so kurzweilig!
00:41:55: Es macht so ein Spaß du hast so viel Humor auch in diesen Texten.
00:41:59: Übrigens ist es so locker rüber, obwohl ich bin muss gestehen.
00:42:02: Zwischendrin bin ich manchmal ausgestiegen.
00:42:04: Wer jetzt wer genau is?
00:42:06: Ja, das ist tatsächlich... Also es kommen auch sehr viele Vereinsnamen drin vor.
00:42:12: Das kann nicht als Warnung für diejenigen, die es noch nicht gelesen haben schon mal vorweg sagen.
00:42:17: Ich hatte beim Schreiben auch so ... Es hat mich oft in den Fingern gejuckt eine Monty Python Referenz reinzubringen.
00:42:24: Aus Leben des Brian sind wir jetzt die Judäische Volksfront oder die Volksfront von Judea der Deutsche Verein für Frauenstimmenrecht oder der Deutsche Verband für Frauen Stimmrecht, oder die deutsche Vereinigung für Frauen stimmrecht und oder der deutsche Frauenstimmrechtsbund.
00:42:41: Das kann ich den Lesenden leider nicht ersparen weil es die vielen verschiedenen Vereine gab und das jetzt auch nicht so einfach nur eine Aufzählung ist sondern dass sie haben sich auch zueinander in einer bestimmten Konstellation verhalten.
00:42:57: dass ja, also ich denke vielleicht wenn ich sollte es noch irgendwie eine andere Ausgabe, eine Taschenbuchausgabe oder sowas geben kann.
00:43:07: Ich kann ja vielleicht nochmal in die Verhandlung gehen ob ich noch ne Seite oder zwei für ein Sachregister bekomme.
00:43:13: aber der Verlag war schon so großzügig mir noch mehr Raum zu geben für mehr Text weil das Manuskript deutlich länger geworden ist als es eigentlich veranschlagt war.
00:43:24: Da haben wir das jetzt am Schluss.
00:43:25: Da wollte ich das nicht noch pushen, am Ende.
00:43:28: Bruce an den Esfischer-Verlag jede Seite hat sich gelohnt!
00:43:33: Aber es ist wirklich unterhaltsam.
00:43:34: und weißt du was mir besonders gut gefallen hat?
00:43:37: Der Exkurs in deine Familiengeschichte.
00:43:40: Ach, das ist schön!
00:43:41: Das hat mich so berührt weil ich finde gerade in weiblichen Sachbüchern... Und da werde ich fast nie enttäuscht.
00:43:48: Weibliche Sachbühcher lesen sich So zugänglich und deins genauso.
00:43:53: Und wir versuchen als Frauen manchmal so eine Anknüpfung zu schaffen, ja?
00:43:58: Entweder durch persönliches Erleben, dass wir versuchen einflächte einzuflechten in Bücher ist mir aufgefallen oder persönliche Geschichten und hier über deine Ur-Ur-Großmutter zu schreiben und da einfach nochmal konkret in die Lebensumstände und was man wahrscheinlich aus den Eckdaten, den wenigen, die man da so rauslesen kann verstehen kann über so ein Frauenleben und wie viel das eigentlich ist.
00:44:29: Eigentlich haben wir gar nicht so viel, also mein Papa und ich, wir haben auch ein bisschen Genialogie gemacht und man hat Geburts- und Sterbedaten vielleicht noch einen Taufdatum oder eine Konfirmationsdatum oder sowas.
00:44:41: Oft hat man nicht viel aber trotzdem Wenn man alle Puzzlestücke zusammensetzt und ein Hoch auf Historikerinnen, dann kann man unglaublich viel draus lesen.
00:44:53: Ja ja also das war... Das ging mir ganz genau so.
00:44:56: alles was ich über meine Ur-Uhrgroßmutter habe die war eine Arbeiter-Ehefrau in Berlin Kreuzberg weiß sich aus standesamtlichen und kirchlichen Unterlagen.
00:45:07: Also ich habe kein Bild Ich weiß nicht was sie für einen Mensch war Aber ich kenne ihre Lebensäckdaten und die ihrer Familie.
00:45:17: Und alleine, was sich da ... Was das für eine Geschichte ... Das hat mir bei der Recherche oft die Tränen in die Augen getrieben.
00:45:28: Also nur um ganz grob zu skizzieren, sie war die Schwester einer sehr kinderreichen Familie im heutigen Sachsen-Anhalt.
00:45:41: und kam wahrscheinlich mit oder nach ihrer großen Schwester, nach Berlin um dort Dienstmädchen zu werden.
00:45:48: Die große Schwester hatte einen Maurer geheiratet, einen Ungelernten hat mir dem drei Kinder bekommen.
00:45:55: die sind alle im Kindesalter gestorben und sie selbst auch.
00:46:00: Sie ist natürlich nicht im Kind des Alters, sondern im Kind Bett gestorbt mit siebenundzwanzig Jahren.
00:46:05: Und meine Ur-Uhr Großmutter hat dann diesen Mann also eigentlich in Schwager ein halbes Jahr später geheiratet, da war sie schon von ihm schwanger.
00:46:16: Was natürlich unglaublich viele Fragen aufwirft wie das kam?
00:46:23: Wie freiwillig!
00:46:23: Auf wessen Initiative?
00:46:24: Wie Freiwillig war
00:46:25: das?!
00:46:27: Und Sie hat dann nochmal sieben Kinder bekommen die alle überlebt haben und sie selbst starb mit noch nicht mal fünfzig.
00:46:33: also sie war jünger als ich als sie starb an Hirnhautentzündung.
00:46:40: Ihr Mann wollte dann ein drittes Mal heiraten, vielleicht auch um in Anführungszeichen eine Mutter für die Kinder zu haben.
00:46:47: Weil Kinderbetreuung es ja nicht gab und er war nun Witwer mit mehreren noch minderjährigen Kindern Und er selbst starb einen Tag vor seiner geplanten Hochzeit Was ich rausgefunden habe dadurch dass ich zuerst diese Heiratsurkunde gefunden habe Die aber durchgestrichen war.
00:47:04: Hochzeit ist abgesagt wegen Todesfall Und danach fand ich seine Sterbeurkunde, datiert auf einen Tag vorher und da gesehen der Todesfall war er bräutig.
00:47:14: Also das sind alleine solche Sachen.
00:47:17: Das ist unglaublich berührend wenn man diese an sich ja kalten Dokumente ließ und sie sich dann so zusammenpuzzeln und ein Bild ergeben.
00:47:26: Dann dachte ich mir irgendeine Geschichte möchte ich erzählen die auch von den vielen vielen Frauen erzählt, die eben nicht die Zeit oder die Kapazität hatten sich in der frauenbewegung zu engagieren.
00:47:39: und da lag marie einfach am nächsten.
00:47:43: Und tatsächlich ist es ja heute immer noch so.
00:47:45: also ich habe die muße und das interesse so ein buch zu lesen aber Ich wohne hier ein bisschen ländlicher.
00:47:51: Da gibt's so viele frauen um mich rum Die interessiertes null, also nicht weil dein buch nicht gut ist sondern weil die gar nicht die kapazität haben oder weil die Natürlich weiß auch schmerzhaft wäre sich damit auseinanderzusetzen wie es so läuft.
00:48:06: also wir versuchen ja so in baby steps mit mental load und carearbeit irgendwie ein bisschen zu verstehen was unsere mütter leben und frauenleben irgendwie beeinflusst.
00:48:16: aber.
00:48:17: Was sagst du denn, was könnten wir dann aus deinem buch lesen für unseren feministischen Kampf jetzt ich habe das Gefühl oft dass wir jetzt so verfrankt sind.
00:48:28: viele Themen haben, dass wir so viele Organisationen haben.
00:48:31: Dass wir so viel Dinge besprechen, das wir über Gendern und Femizide und soziale Ungerechtigkeiten, über Caregaps, über Mental Health-Gaps, Über Paygaps ,über Pension-Gabs, über Leisure-Time-Gapps, über alle Gaps der Welt sprechen.
00:48:49: Und manchmal habe ich das Gefühl... ...dass wir uns ein bisschen verzetteln, dass wie zuviel gegeneinander sind dass wir uns nicht genug solidarisieren und das wir manchmal auch vielleicht die... Also nichts davon ist irrelevant, aber dass wir nicht priorisieren.
00:49:11: Vielleicht ist das das richtige Wort?
00:49:13: Ja!
00:49:14: Das ist die Frage inwieweit es geht.
00:49:16: denn gerade im Moment also ich nehme es bei mir gerade auch ganz stark wahr, dass sich von vielen Dingen mich fast mich nach gerade überwältigt fühle, weil die Zumutungen einfach so geballt kommen.
00:49:30: Und ich glaube das ist sicherlich auch meine wenn eine Regierung ein sogenanntes Reform was eigentlich ein Kürzungspaket ist durchdrücken möchte dann ist sie natürlich gut beraten dass nicht über vier Jahre aufzufächern dass wir alle gut uns da organisieren können mit der Gegenwehr sondern es massiv raus sollen.
00:49:46: jeden tachten neue zumutung dass wir dann einfach irgendwann nicht mehr wissen wo soll man anfangen.
00:49:51: In der Situation fühle ich mich auch irgendwie gerade.
00:49:56: Wenn ich jetzt gut beraten, meine ich es natürlich ironisch.
00:49:59: Ich habe sehr wenig Sympathie oder bis gar keine für das was uns da zugemutet wird und vor allem bei wem hauptsächlich gekürzt wird.
00:50:09: Und dann ist glaube ich klar dass die Themen, dass es unglaublich viele Themen sind und jedes Thema natürlich Aufmerksamkeit braucht weil Wir ja sonst auch verhandeln müssen, wessen Thema kommt denn jetzt zuerst dran.
00:50:24: Und dann müssen wir wieder innerhalb der Bewegung die Machtfrage stellen wer kommt mit seinen Themen am ehesten durch?
00:50:30: Dann würden wir uns wieder glaube ich aufreiben.
00:50:32: also wenn wir da versuchen würden zu priorisieren was wir glaube ich wirklich von einigen Frauen aus der Geschichte oder was wir aus diesen Geschichten lernen können, es gibt ja immer zwei Lektionen die man ziehen kann.
00:50:46: Was hat funktioniert und was hat nicht funktioniert?
00:50:48: Denn natürlich haben sie damals – das ist ja keine Geschichte von markellosen Heldinnen!
00:50:53: Die haben auch viel gemacht, was uns heute befremden würde, was auch kritikwürdig war, Wenn wir uns anschauen, was funktioniert hat.
00:51:08: Deswegen habe ich dem versucht recht viel Raum zu geben, waren das Momente in denen der Schulterschluss gelungen ist.
00:51:16: und er ist gerade dadurch gelungen dass die Frauen, die in einer privilegierteren Situation waren auf es hier geschafft haben nicht immer aber da geschafft haben auch zuhören und unterstützen zu schalten.
00:51:30: Da ging's grade zum Beispiel um die Situation in der Heimarbeit Also diese sehr stark ausgebeuteten Frauen hauptsächlich in der Textilarbeit, die zu Stücklohn, zu Hause ohne jede Absicherung gegen Lohnausfälle etc.
00:51:47: Textilwaren, Luxusgüterspielzeuge und so weiter hergestellt haben.
00:51:52: Das war eine Industrie wo in manchen Regionen im Erzgebirge zum Beispiel Männer und Frauen arbeiteten aber in den Städten war es hauptächlich eine Arbeitsmodell für Frauen.
00:52:06: Und da haben sich auch bürgerliche Frauen engagiert auf unterschiedliche Art und Weise, bürgernische Frauen neigten und weiße bürgarliche Frauen neigen vielleicht manchmal auch immer noch dazu Dinge sehr schnell und sehr gern in die Hand nehmen zu wollen weil sie ja schon wissen wie es geht und vor allen Dingen was andere brauchen.
00:52:27: aber diejenigen die es anders gemacht haben Wie zum Beispiel eine Alice Salomon, die Begründerin der sozialen Arbeit.
00:52:36: Oder auch Margarete Friedental über die ich gerade ge podcastet habe, die so ein bisschen Ähnliches gemacht hat wie Alice Salmon aber auf einem anderen Level.
00:52:46: Die haben bürgerlichen Frauen dann eben auch mal ins Gewissen geredet und gesagt Leute.
00:52:51: ihr dürft jetzt hier nicht einfach den Leuten aus die Hand nehmen.
00:52:53: Ihr müsst gucken was wird gebraucht?
00:52:56: Und dann seid ihr als die Privilegierterin dran mit unterstützen, von deren Anliegen ohne das mit euren eigenen Anliegungen zu überformen.
00:53:11: Also klar trägt jede ihre eigene Perspektive immer an die Dinge ran.
00:53:16: aber ihr seid jetzt hier nicht die, deren Input maßgeblich ist.
00:53:20: Ihr seid die, die dazu da sind das Anlegen zu verstärken.
00:53:24: Das hat funktioniert.
00:53:25: öffentliche Aufmerksamkeit hat funktioniert Weil diese bürgerlichen Frauen, gerade in dieser Sache der Kampf der Heimarbeiterinnen auf öffentliche Aufmerksamkeit gesetzt haben.
00:53:39: Gerade bei den Kundinnen und Konsumentinnen.
00:53:42: Denn das was in Heimarbeit hergestellt wurde, wurde oft von Frauen gekauft weil Frauen die Haupteinkäuferinnen in der Familie waren.
00:53:52: Sei es für Heimtextilien, Kleidung für die ganze Familie etc.. Das hat funktioniert, da eine Öffentlichkeit wach zu rütteln und das Augenmerk auf die Situation der Heimarbeiterinnen zu lenken.
00:54:10: Ganz ähnlich wie es vor ein paar Jahren beim Lieferkettengesetz war.
00:54:14: den vergleich mache ich immer ganz gerne.
00:54:16: also das ist auch auf Druck der Öffentlichkeit diese ganze Thematik Arbeitsbedingungen in dem Liefer ketten weltweit überhaupt erst in den Fokus gerückt.
00:54:28: Und klar sind da jetzt auch wieder wie damals die Unternehmerinteressen, die das hart bekämpfen und sagen es ist zu viel Bürokratie.
00:54:35: Das ist das Ende der Wirtschaftstätigkeit überhaupt.
00:54:41: Aber öffentlicher Druck und Solidarität ist eben die einzige Möglichkeit, die wir haben dem etwas entgegenzusetzen.
00:54:50: Es ist aber auch und zeigt die Geschichte eine Sache, die Wirkt.
00:54:54: Es erinnert mich ein bisschen an das Dilemma mit dem White Feminism, wo die Entwicklungshelferinnen sagen wir müssen jetzt jedem Kind eine Impfung geben und dann bekommt jeder einen Sack Reis wenn er sein Kind impft.
00:55:10: Aber da gar nicht so richtig geschaut wird was tatsächlich brauchen die Menschen?
00:55:14: Und was ist wirklich eine Motivation um diesen einen Schritt zu machen, um in ein besseres Leben zu kommen.
00:55:20: Verstehen die das?
00:55:21: Brauchen sie das?
00:55:21: wollen die das?
00:55:22: was wollen die wirklich?
00:55:23: Gab es hier nicht auch so sogar Bratwurst-Aktionen wenn du dich gegen Covid-Has impfen lassen gabst?
00:55:29: bei Impfungen bin ich ja tatsächlich eine von denen die sagt was hilft hilft.
00:55:35: aber natürlich ist es so dass das auch dass das herablassend ist jemandem zu denken Ja ich muss der Personensack Reis geben damit ihre Kinder impfen lässt.
00:55:44: möglicherweise würde es ja reichen einfach zu erklären wofür das gut ist und da Bewusstseinsbildung zu machen.
00:55:50: Also in dem Thema bin ich natürlich nicht drin, da gar nicht wie jetzt sich wirklich so äußern.
00:55:54: aber tatsächlich ist es ja... Ist es wirklich so?
00:55:58: Und das wird auch von den Ländern eingefordert die Länder selbst einfach im Fahrersitz sein wollen und es muss auch sein, das muss von denen getrieben werden die die tatsächlich ein Anliegen haben.
00:56:15: Und den einfach geholfen werden soll.
00:56:19: Aber du besagst dann also privilegierte Frauen.
00:56:21: kämpft nicht nur für euch selbst zum Beispiel für Vorstandsquoten sondern schaut auch mal klassenmäßig nach unten sozusagen und schaut dass dass wir gegen Femizid, gegen Gewalt, gegen Frauen für finanzielle Unabhängigkeit.
00:56:40: Für eine gute Aufstellung von Alleinerziehenden und sozialen Bodenraum zu eigentlich uns dafür einsetzen müssen das erstmal die grundlegenden Bedingungen besser werden damit wir alle davon profitieren.
00:56:53: richtig alles
00:56:54: Alles, ja also auch Vorstände.
00:56:56: Denn ich denke Frauen in Vorständen und den Aufsichtsräten das hat ja auch was mit... Das ändert auch die Dinge.
00:57:02: Also es hat auch Effekte.
00:57:08: Vielfältige Vorständes- und Entscheidungsstrukturen machen auch etwas mit einem Unternehmen oder mit einer Organisation und verändern sie zum Guten, was sich tatsächlich auch in den nachgeordneten Bereichen sehr stark auswirkt, vor allen Dingen auch in der Industrie jetzt eine industrie zukunftsfähig macht damit wir auch morgen und übermorgen noch Arbeitsplätze haben.
00:57:31: Also ich glaube zum Beispiel nicht wenn das ein Vorstand in dem mehr People of Color Menschen mit Migrationsgeschichte oder Frauen, queere Menschen etc.
00:57:48: sitzen würden auf umweltschädliche Technologien setzen würde, in dem Maße wie es ein rein weiß männlicher Vorstand tun würde.
00:58:02: Also ich denke alles auf allen Ebenen muss gekämpft werden.
00:58:07: Ich glaube aber auch tatsächlich dass das an vielen Orten schon passiert.
00:58:12: Deswegen tue ich mich immer so ein bisschen schwer mit Aufrufen weil notwendiger, weil es zwangsläufig auch Menschen erreichen würde.
00:58:20: Die sagen das machen wir ja schon längst sondern vielmehr denke ich wir sollten diese guten Beispiele die es schon gibt einfach zeigen und auch zeigen eine gute Praxis vorleben.
00:58:33: Und vor allen Dingen würde ich mir wünschen dass wir...
00:58:37: Das
00:58:37: gilt jetzt für die gesamte Gesellschaft eigentlich, dass wir wieder mehr darüber reden in was für einer Gesellschaft wollen wir eigentlich leben?
00:58:43: also wie soll diese Gesellschaft aussehen?
00:58:48: Damit wir vielleicht ein bisschen davon wegkommen, immer diesen tagespolitischen Zumutungen hinterherzulaufen.
00:58:55: Das muss natürlich auch sein... Aber so einen Gegenentwurf.
00:58:59: das ist eigentlich das wo ich im Moment sehr gerne drauf schaue.
00:59:06: Wie können wir eine positive Erzählung und Vorstellung von unserem Gemeinwesen entwickeln?
00:59:13: Und hast du vielleicht noch einen abschließenden Tipp, wie man den Backlash abfedern kann?
00:59:18: Weil auch als dann das Frauenwahlrecht eingeführt wurde.
00:59:22: Das war dann Gott sei Dank festgemauert sozusagen, dass Frauen wählen dürfen.
00:59:28: aber danach ging es ja wieder steil bergab mit der Teilhabe und dann kam das dritte Reich und zwar eigentlich alles wider Richtung Frauen an den Herd bekommt kleine Soldaten die Heimatfront unterstützen und so.
00:59:44: Wie kann man diesen Backlash, den wir ja auch gerade irgendwie begegnen?
00:59:49: Unter anderem finde ich wenn genau solche Sparkpakete beschlossen werden auf dem Rücken von Frauen leben.
00:59:57: wie kann man den begegnern gibt es da in der Geschichte irgendwelche tollen Vorbilder?
01:00:03: also ich denke jede einzelne Frau die sich nicht gebeugt hat irgendwann geweigert hat zu sagen, ich mache jetzt noch diesen Kompromiss und diesen Kom promiss um vielleicht irgendwie noch ein bisschen was bewegen zu können.
01:00:17: Jede dieser Frauen ist Vorbild oder jeder dieser Menschen is vorbild.
01:00:21: das waren ja nicht nur Frauen die Widerstand geleistet haben und die gesagt haben Jetzt es Ende mit den Zumutungen hier gehe ich mich mehr mit.
01:00:28: aber gerade was jetzt antifeministischen Backlash betrifft würde ich sagen Es bringt nichts Zugeständnis und Zugestständnis zu machen.
01:00:38: Es gab auch Frauen, Gertrud Bäumer zum Beispiel die während der Nazizeit versucht hat ihre Zeitschrift die Frau noch weiter herauszugeben um wie sie selber sagte und ich glaube das meinte sie auch durchaus ehrlich etwas in die neue Zeit, die Angebliche hinüber retten zu können von den alten Errungenschaften.
01:01:01: Für diese ja auch gestanden hat für die sie gekämpft hat.
01:01:05: Sie hat aber nicht gesehen und das wurde zeitgenössisch schon vom Alten Weggefährtin kritisiert wie viele Zugeständnisse sie an die Nazis und an die Zensur bereits gemacht hat.
01:01:14: Das hatte sich immer schön geredet bis zum Schluss noch Und damit hat sie eigentlich leider und wie ich finde auch ohne Not ihr historisches Erbe so ein bisschen in Sand gesetzt Und ich denke, ich bin da tatsächlich bei ihren Kritikerinnen dies damals.
01:01:29: Also immer Wohlfall von heute aus zu sagen das hätte sie anders machen sollen.
01:01:33: deswegen beruf ich mich da gerne auf ihre zeitgenössischen Kritikerin also Weggefährtin die gleich alt waren wie sie oder vielleicht nur etwas jünger die gesagt haben dass das geht so nicht.
01:01:44: du kannst nicht in deiner Zeitschrift irgendwelche nazi Frauen zu Wort kommen lassen und deren Inhalte abdrucken, du machst dich damit zum Feigenblatt.
01:01:55: Und das ist tatsächlich auch so passiert.
01:01:58: Und gerade dieses Sich-Zum-Feigenblat machen lassen – das ist was wovor ich wirklich sehr, sehr warnen würde.
01:02:08: Deswegen richte ich meinen Blick auch immer ganz gerne auf die konservativen Frauen in diesem Moment um Vielleicht ein bisschen zu ermutigen, den Blick wach und offen zu halten dafür.
01:02:26: Wo ist jetzt hier die Zunutung?
01:02:27: so viel?
01:02:28: Wo mache ich mich jetzt möglicherweise tatsächlich hier zu einem Feigenblatt für eine Politik, die ich für meine Töchter oder für meine Kinder überhaupt wirklich nicht wollen
01:02:38: kann?".
01:02:40: Das finde ich ist ein wunderbares Schlusswort, liebe Bianca.
01:02:44: Ich möchte dein Buch Wärmstens empfehlen.
01:02:46: die Vorkämpferinnen wie aus vielen Frauen eine Bewegung wurde so wenn wir aus vielen frauen eine bewegung wurde.
01:02:55: noch einmal richtig viele Begegnungen.
01:02:59: Ein wirklich fantastisches buch dieses jahr twenty-sixundzwanzig erschienen im esfischer verlag.
01:03:05: Es ließ sich wirklich wie eine spannende Geschichte überhaupt nicht historisch, langweilig oder Sachbuchdröge sondern mit Humor flog ich.
01:03:16: Wie gesagt viele Namen, viele Vereine und Vereinigungen aber wenn man die einfach so mitlaufen lässt im Hirn dann lernt man dabei auf dem Weg unglaublich viel über deutsche Frauengeschichte auf ne unglaubliche angenehme Art und Weise.
01:03:30: Und Ich habe das Vergnügen auch noch ein Exemplar verlosen zu dürfen.
01:03:36: Wenn du ein Exemplar von die Vorkämpferinnen von Bianca Walter gewinnen möchtest, dann schreib mir doch eine E-Mail an.
01:03:43: Die Leserinnen Podcast at gmail.com.
01:03:47: Aber füge auch das Passwort ein.
01:03:49: und das geheime Passwort, dass ich nur jetzt hier verrate ist Fahrrad!
01:03:54: Also bitte schreibe in deine E-mail auf Fahrrad, denn das Fahrrad hatte eine ganz entscheidende wichtige Rolle in der Emanzipation in der ersten Frauenbewegung Und deshalb widme ich dieses Passwort den Frauen, die vor uns waren.
01:04:08: Den Riesinnen auf deren Schultern wir stehen wenn du Fahrrad in deine E-Mail schreibst.
01:04:14: Vielen vielen Dank dass du dir die Zeit genommen hast über dein Buch zu sprechen das Buch zu schreiben auch und darüber zu sprechen.
01:04:21: es war sehr sehr schön mit dir und auch hier nochmal der Hörtipp hört bitte auch Bianca Walters Podcast.
01:04:28: er ist fantastisch Anders kann ich es nicht sagen, Frauen von damals ist auch Teil von Wissenschaftspotcasts.de und ist kurzweilig in meiner Fert in jeder Folge super spannende Dinge flockig erzählt als würde deine Freundin dich voll labern über was Spannendes, das sie gerade gelesen hat.
01:04:48: Ich finde es total schön dir zuzuhören.
01:04:50: Vielen vielen lieben Dank Und vielen liebendank auch für die Einladung.
01:04:54: Das Gespräch hat mir ein Riesens Spaß gemacht.
01:05:00: Wie das hier funktioniert, habe ich dir ja am Anfang dieser Podcast-Folge schon erklärt.
01:05:05: Deshalb kommen wir direkt zur Sache!
01:05:30: Gritt aus Berlin, Anja aus Norderstedt, Malene aus Köln, Franzi aus Karlsruhe.
01:05:37: Ingeborg aus Siegen, Turit aus Zürich, Beerrit, Claudia aus Marbach, Stefanie aus Dülmen-Rorob, Babis aus Wien, Sandra aus Bielefeld, Nicole aus Winenden, Pia aus Potsdam, Annette aus Felgentreu, Wiebke aus Gehwelsberg, Michaela aus Ylitz, Jeannie aus Kirchberg an der Moe.
01:06:40: Das war der Podcast.
01:06:42: Die Leserinnen.
01:06:43: Redaktion und Moderation Christina Häusler.
01:06:48: Produktion Christina Hösler Musik Bernie Maier.
01:06:53: Danke fürs Zuhören!
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